Schmidti informiert: Ausstieg aus der rechten Szene

Hey Leute, 

wenn Ihr von meinem Erlebnis mit dem Flamingo gelesen habt, wisst Ihr, dass auch ich den Ausstieg und die Trennung von meinem rechtsextremen Herrchen nicht alleine gemeistert habe. (siehe hier)

Dank meines gefiederten Freundes hatte ich die nötige Unterstützung den Schritt zu wagen und in ein neues Leben zu starten. 

Nachdem ich Euch meine Geschichte erzählt hatte, habe ich mir einige Gedanken gemacht, die ich gerne mit Euch teilen möchte. 

Warum finden Rechte Gruppen überhaupt Zulauf? 

Nun gerade rechte Jugendszenen sprechen junge Menschen besonders an, denn wie Ihr selbst bestimmt wisst, sind Jugendliche auf der Suche nach Zugehörigkeit. Von diesen Gruppen bekommen sie Zuspruch, können sich selbst behaupten und finden in ihrer Gesellschaft häufig einen Platz. Dieses Einbinden in Aktivitäten nutzen solche Verbindungen aus, um ihre Ideologien in die Köpfe der Jugendlichen zu pflanzen. Wenn Menschen erst einmal länger dabei sind, entsteht für sie ein ganz eigenes Weltbild, das häufig stark von der Realität abweicht.

Wer in dieser Szene unterwegs ist, findet sich schnell in einer Blase wieder, in der er hauptsächlich von Gleichgesinnten und gleichen Meinungen umgeben ist. Der mangelnde Austausch führt zu einer immer stärkeren Entfremdung von der eigentlichen Wirklichkeit. Letztendlich besteht der komplette Freundeskreis nur noch aus Angehörigen der Szene und eine soziale Abhängigkeit ist die Folge. 

Woran aber erkennt Ihr, ob eine Gruppe rechts bzw. rechtsextrem ist? 

Nun ja, es gibt nicht eine einzige rechte Strömung, vielmehr ist sie zersplittert in die verschiedensten Richtungen. Es gibt aber bestimmende Grundansichten, die alle diese Bewegungen/Gruppen teilen. Im Zentrum ihres verschobenen Weltbilds steht die Ungleichheit der Menschen. Das heißt, sie gehen davon aus, dass einige Menschen, in diesem Falle die Gruppe selbst, die Elite seien und der Rest weniger wert. Bei den „Anderen“ handelt es sich größtenteils um Menschen, die anderen Religionen angehören, beeinträchtigten Menschen, allgemein Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen, die wohnungslos bzw. mittellos sind. Diese Ablehnung wird durch diskriminierendes Behandeln/Handeln und aggressives Verhalten, wie das Androhen von Gewalt oder direkte körperliche Attacken, ausgedrückt. Andersdenkende Menschen sollen weitestgehend ausgegrenzt und als unglaubwürdig und als Feind des Volkes dargestellt werden. Sehr bekannt sind auch die Anspielung darauf, dass die Presse, besonders wenn diese ihnen gegenüber kritisch eingestellt ist, lügt. Rechte Gruppierungen behaupten fast immer im Auftrag der gesamten Bevölkerung zu agieren, obwohl sie ihrer Ideologie nach wider den Grundsätzen unserer Gesellschaft handeln.

Ihr seht also, dass es ganz schön schwierig sein kann, aus solchen Strukturen auszubrechen, wenn eine Person erst einmal solch ein realitätsfernes und widersprüchliches Weltbild verinnerlicht hat. Vor allem, wenn man nach diesem die Elite bildet, dem eigenen Ego also zuspricht.

Trotzdem kommt es zum Glück nicht selten vor, dass Menschen sich entscheiden, aus dieser Szene auszusteigen. 

Was bewegt Menschen zum Ausstieg? 

Zunächst einmal möchte ich den Begriff „Austeiger*in“ klären. 

Aussteiger*innen sind Menschen, die entschlossen haben, sich aus der rechtsextremen Szene und deren Denkweisen herauszuziehen. Dabei trennen sie sich von deren Weltbild und brechen den Kontakt zur Gruppe ab. 

Die Gründe für einen Ausstieg sind vielfältig und hängen auch immer eng mit der Intensität zusammen, mit der eine Person involviert war. Nach dem ersten Kontakt mit solchen Gruppen auszusteigen kann einfacher und schneller gehen, als nach mehreren Jahren und aus einer höheren Position heraus. Tatsache ist, dass häufig ein Konflikt zwischen den persönlichen Zielen und der Ideologie und den Ansprüchen der Gruppierung entsteht. So steht zum Beispiel die Zugehörigkeit zur Szene im Widerspruch zu Karriereoptionen oder Beziehungen etc. Konflikte wie diese oder ähnliche Situationen wie persönliche Not oder ein Wechsel des Umfeldes, können Verunsicherungen, Enttäuschung und die ersten Zweifel hervorrufen. Wenn solchen Personen dann auch noch Dinge widerfahren, die eigentlich nicht in ihr Weltbild passen, wie zum Beispiel positiver Kontakt zu Personen, die eigentlich als ungleich und minderwertig angesehen werden, kann es sein, dass die rechte Blase, in der sie gelebt haben, anfängt zu platzen. Die daraus resultierende Konfrontation mit der Realität begünstigt das Verfolgen des Gedankens an einen Ausstieg. 

Wie aussteigen und wohin ?

Jetzt habe ich hier gerade etwas von „Realität“ gesagt und häufig hat sich mir die Frage gestellt, wohin die Menschen eigentlich aussteigen? Was stellt den eine nicht-extreme und annehmbare Weltansicht dar? 

Für viele von Euch ist es selbstverständlich, dass Menschen nicht diskriminiert werden, weil sie von der „Norm“ abweichen oder eine andere Herkunft haben und so weiter. Für Personen, die aus einem so extremistisch geprägten Umfeld kommen, könnte das aber eine völlig neue Sichtweise auf ihre Mitmenschen sein. Somit ist die Antwort auf die Frage wohin der Ausstieg erfolgen soll, wohl am besten mit einer Resozialisierung in unsere Gesellschaft zu beschreiben. Denn unserem Grundgesetz nach stehen die Gleichbehandlung und der Diskriminierungsschutz zusammen mit Toleranz und Offenheit eigentlich im Zentrum für unser friedliches Zusammenleben.  

Wohin sich Menschen, die an einem Ausstieg interessiert sind, wenden können – wenn ihnen nicht gerade ein rosa Flamingo zur Seite steht – habe ich für Euch recherchiert. 

In Deutschland gibt es verschiedene Organisationen, die für Fragen und Hilfeleistungen zur Verfügung stehen. Einer der bekanntesten Vertreter für solche Anlaufstellen ist wohl EXIT Deutschland. Auf dessen Webseite findet ihr ausreichend Informationen über Betroffene und Freund*innen/Bekannte von Betroffenen. Zusammen mit genaueren Erklärungen gibt es eine Hotline bei denen Menschen anonym Hilfe suchen können und bei Bedarf Schutz und Unterstützung versichert bekommen. Gerade Personen, die sich aufgrund von Gewaltandrohungen oder anderen Gefährdungen nicht in der Lage sehen, den Ausstieg alleine bewältigen zu können, kann eine Organisation wie EXIT unglaublich hilfreich sein. Sie bieten nicht nur Schutz, sondern unterstützen Menschen, die durch ein Verlassen der Szene große Teile ihrer sozialen Umfelds verlieren, da ihre Kontakte sich hauptsächlich in den rechten Gruppierungen befinden. 

Ein Ausstieg kann sehr schwer sein, aber er ist möglich!

Hier hab ich ein paar Adressen, Dokus/Filme und Artikel zum Thema für Euch zusammengestellt. 

KONTAKTE (anonym möglich!)

EXIT-Deutschland
Postfach: 760112, 12582 Berlin
Tel: 03023489328 
Mobil: 017641646019
E-Mail: info@exit-deutschland.de
www.exit-deutschland.de 

„Nordverbund Ausstieg Rechts“ (Für ganz Norddeutschland) www.nordverbund.austieg.de

Kurzfilm „Ausstieg Rechts“

Doku „Verräter. Vom schwierigen Ausstieg aus der Neonaziszene“                                                  Link: https://www.youtube.com/watch?v=KL3DIfs5KJQ

Interview „Neonazi-Aussteiger“                                                                                                           Link: https://www.br.de/puls/themen/welt/interview-neonazi-aussteiger-sie-nehmen-mich-ernst-weil-ich-in-der-szene-war-100.html

Ich hoffe, dieser Artikel konnte Euch ein wenig verständlicher machen, warum Menschen in die rechte Szene abrutschen und was möglich ist, um Hilfe zu bekommen. Natürlich gibt es verschiedenste Beweggründe für Menschen, sich für einen Weg ins Rechtsextreme zu entscheiden und nicht jeder ist auf Hilfe bei einem Ausstieg angewiesen, aber diese Informationen können Menschen helfen, ein neues Leben zu beginnen, deswegen war es mir ein Anliegen, sie mit Euch zu teilen.  

Vielen Dank fürs Vorbeischauen und bis zum nächsten Mal !

Euer Schmidti

Für meinen Artikel habe ich Informationen aus den folgenden Quellen verwendet:            http://www.antisemitismus.net/deutschland/ausstieg.htm                                                        http://m.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/236552/warum-und-wie-aussteigen

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